Nach dem 25. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga ist die untere Tabellenhälfte noch weiter zusammengerückt. Wie schon eine Woche zuvor punktete der ASV, der in Essen nach deutlicher Führung zumindest einen Punkt mit nach Hause nahm, samt direkter Konkurrenz. Damit ist der Unterschied zwischen Platz 9 und dem ersten Abstiegsplatz, den die Westfalen weiterhin belegen, auf gerade einmal drei Zähler zusammengeschrumpft.

Es war ein verrückter Handballabend, den die mehr als 2.250 Fans, darunter deutlich mehr als 100 ASV-Anhänger, am Freitag in Essen erlebten. Lange sah es so aus, als könne die Mannschaft von Stephan Just ausgerechnet bei den aktuell so erfolgreichen Essenern den ersten Auswärtssieg der Saison feiern. Die Gäste zeigten über weite Strecken eine ihrer besten Saisonleistungen und starteten äußerst leidenschaftlich und kampfstark.

Bereits nach acht Minuten hatten die Westfalen die gut gefüllte Sporthalle „Am Hallo“ angeführt vom starken Isländer Fannar Fridgeirsson durch eine 2:7-Führung beruhigt, übrigens völlig unbeeindruckt von den taktischen Geplänkeln der Gastgeber, die Routinier Michael Hegemann zuvor als „verletzt“ gemeldet hatten, ihn dann aber doch starten ließen. Mit jeder Aktion demonstrierte der ASV höchste Entschlossenheit. Nach einer Viertelstunde erhöhte Markus Fuchs sogar zum 3:11 für die Gäste. Man fühlte sich an die erste Halbzeit aus dem Heimspiel gegen den TV Emsdetten erinnert, die der ASV mit 16:3 gewann.

Doch dass auch der Gegner dank zuvor 9:1 Punkten in der Liga über viel Selbstvertrauen verfügte, bekamen die Hammer in der Folge zu spüren. Denn während der zweiten Viertelstunde kamen die Hausherren dank Dennis Szczesny, Justin Mürköster und Carsten Ridder besser ins Spiel und verkürzten durch eine 9:4-Serie auf 12:15. Spätestens jetzt war die Halle wieder da, Essen hatte nach dem beeindruckenden Gästestart den Kampf im übrigens jederzeit fairen Westderby angenommen. Dank des starken ASV-Torwarts Felix Storbeck gingen die Gäste aber dennoch mit einer 12:17-Führung in die Pause.

Auch in der zweiten Halbzeit erwischte der ASV den besseren Start. Nach vier torlosen Minuten erhöhten Jakob Macke und Markus Fuchs auf 12:19. Beim Stand von 13:19 parierte Storbeck, dem das zuvor schon gegen Noah Beyer gelungen war, seinen zweiten Siebenmeter, diesmal gegen den eingewechselten Richard Wöss. Bis etwa elf Minuten vor dem Ende hielten die Gäste eine komfortable Führung. Doch jetzt scheiterte Björn Zintel zum zweiten Mal vom Siebenmeterpunkt, auch den abgefangenen Abpraller nutzten die Gäste nicht zur 18:24-Führung. Stattdessen kamen nun die Gastgeber, die damit langsam auch die heimischen Fans aus der Schockstarre weckten, immer besser ins Spiel. Während TuSEM offensiv wesentlich geradliniger und entschlossener agierte, rannte sich der von Björn Zintel geführte Angriff des ASV immer häufiger in der 5:1-Deckungsformation der Essener fest.

So verkürzte die Mannschaft von Stephan Krebietke gut vier Minuten vor dem Ende auf 23:24, die Halle stand Kopf. Doch auch der ASV blieb kämpferisch, Daniel Eggert überwand den Essener Torwart Sebastian Bliß in der 57. Minute zum 23:25. Doch die Freude währte nicht lang, Carsten Ridder verkürzte mit seinem sechsten Treffer nur neun Sekunden später zum 24:25. Der nächste Gästeangriff scheiterte, Richard Wöss glich erstmalig nach dem 1:1 wieder aus. Als dann auch der nächste Angriff des ASV keinen Abschluss brachte, hatte Essen sogar die Chance auf den Sieg. Sieben Sekunden vor dem Ende entschieden die Unparteiischen auf Foul, Noah Beyer trat zum Siebenmeter an – da das Schiedsrichtergespann die Uhr weiterlaufen ließ, sogar nach abgelaufener Spieluhr. Bereits zwei der vier Essener Siebenmeter hatte Storbeck pariert, auch diesen Wurf von Beyer wehrte er mit dem Fuß und sorgte damit für eine Jubeltraube der Gäste.

Statistik zum Spiel

TuSEM Essen: Bliß, Donderis Vegas – Beyer (2, (2/4), Ellwanger (2), Keller, Hegemann (1), Roosna, Wöss (6, 0/1), Kintrup (1), Szczesny (4), Ridder (6), Müller, Seidel, Mürköster (3)

ASV Hamm-Westfalen: Storbeck, Doden – Blohme, Huesmann, Brosch (1), Fuchs (2), Fridgeirsson (4), Eggert (2), Macke (1), Ritterbach (3), Gudat (3), Zintel (3, 2/4), Höning, Neuhold (6)

Schiedsrichter: Colin Hartmann, Stefan Schneider

Zuschauer: 2.258